Logistischer Kraftakt – Stahldruckring für Glasdach

Foto- und Informationstermin Parlamentsbaustelle 11. November 2019

Baustelle im Plan

Die im vergangenen Jahr gestartete Generalsanierung des Parlaments in Wien läuft plangemäß. Bis Sommer 2021 wird das historische Gebäude am Ring umgebaut und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Derzeit sind ca. 96 Prozent der Vergabeverfahren abgewickelt. Insgesamt sind rund 83 Prozent der Bauleistungen bereits vergeben. Die Generalsanierung ist mit einer Kostenobergrenze von 352,2 Millionen gedeckelt.

Status quo

Das neue Glasdach über dem NR-Saal ist eine der wichtigsten Bauetappen der Sanierung und steht für Öffnung und Transparenz des Hauses. Nun starten die ersten Maßnahmen zur Errichtung. In einem logistischen Kraftakt werden in den kommenden Tagen vier 46.000 Kilo schwere Stahlringteile in die Höhe gehievt und dann auf dem Dach des NR-Saals zu einem Stahldruckring zusammengesetzt. Dieser dient in der Folge als Unterkonstruktion für die Glaskuppel. Notwendig ist ein eigener, 600 Tonnen schwerer Baukran, der die Stahlteile nach oben transportiert. Derzeit läuft die Anlieferung des Stahldruckrings während der Nachtstunden, damit das sperrige Transportgut den Verkehr nicht behindert. Ab Mitte November sollen die Stahlgiganten dann am Dach montiert werden.

Die Öffnung des Hohen Hauses für die Öffentlichkeit ist ein grundlegender Gedanke der Parlamentssanierung. Vor diesem Hintergrund wird unter der Säulenhalle ein neues Besucherzentrum eingerichtet. Derzeit werden die alten Pfeiler unter der Säulenhalle entfernt, sodass neuer Raum für die rund 900m² große Ausstellungsfläche entsteht. Um sicherzustellen, dass keine historischen Strukturen beschädigt werden, überprüfen Sensoren jede noch so minimale statische Veränderung des Gebäudes und melden diese in Echtzeit an die Bauleitung.

Aber auch oberhalb der Säulenhalle laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Für die neuen gastronomischen Flächen ist zur Verstärkung eine Zwischendecke aus Stahlträgern erforderlich, da die vorhandene Konstruktion dem zu erwartenden Gewicht sonst nicht standhalten würde. Hier entsteht eine 800m² große Gastronomiefläche mit rund 400m² Terrassenlandschaft. Das zukünftige Restaurant im 3. Obergeschoß steht allen Besucherinnen und Besuchern des Parlaments offen.

 Nächste Schritte

  • Montage Stahldruckring für das neue Glasdach
  • Herstellung des neuen Dachaufbaus im gesamten Gebäude
  • Stahlbetonarbeiten für die Haupttreppen

 

Derzeit sind rund 260 Menschen auf der Baustelle beschäftigt. In Spitzenzeiten werden es über 550 sein.

Patina statt Hochglanz

Während der gesamten Bauarbeiten steht der Denkmalschutz besonders im Fokus. Die Restaurierungsarbeiten der denkmalgeschützten, historisch wertvollen Oberflächen werden gut eineinhalb Jahre dauern. Grundgedanke bei den denkmalpflegerischen Maßnahmen ist die Reinigung und Konservierung. Die historisch wertvollen Oberflächen werden behandelt und die erhalten gebliebene, historische Möblierung wird restauriert. So soll die Patina erhalten bleiben, das Gebäude aber in neuem Glanz erstrahlen. Im Zuge der Sanierung werden besonders die aus zwei Zeitachsen stammenden Oberflächen behandelt: Entstehungszeit unter Theophil Hansen (1874-1883) und Wiederaufbau von rund 80 Prozent der innenräumlichen Substanz durch Fellerer & Wörle 1945 – 1956. Denn zu Kriegsende waren immerhin etwa 80 Prozent des Gebäudes in unterschiedlichen Schweregraden zerstört.

Darüber hinaus werden bereits seit letztem Sommer rund 740 Fenster und rund 600 Türen vor Ort restauriert sowie thermisch und sicherheitstechnisch adaptiert. 500 Luster wurden demontiert, gereinigt und werden nach der Sanierung wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Alle Restaurierungsarbeiten werden fast ausschließlich von heimischen Klein- und Mittelbetrieben erbracht.

 Zahlen und Fakten Parlamentsgebäude

  • Größe (einschließlich Rampe): Länge 151,68 Meter/Breite 132,72 Meter
  • Grundstücksfläche: 20.142 Quadratmeter
  • 1.600 Räume
  • Größter Raum: Säulenhalle (24×41 Meter, Gesamtfläche fast 1.000 Quadratmeter)

Flächengewinn durch Projekt:

  • 10.000m² Steigerung Nutzfläche

 Zahlen und Fakten zur Sanierung

  • 800m2 Gastronomiefläche samt ca. 400m2 Terrassen
  • 900m2 neues Besucherzentrum im Erdgeschoß
  • 55.000 m2 Netto-Geschoßflächen werden saniert
  • 40.000 m2 Böden werden abgebrochen und inkl. Elektroninstallationen neu verlegt
  • 740 Fenster werden thermisch saniert
  • Rund 600 Türen werden saniert, ca. 200 den Brandschutzanforderungen gerecht adaptiert
  • 500 Luster / Leuchten wurden demontiert, gereinigt und wieder montiert  

Chronologie

2014

  • Juli 2014: Einstimmige Entscheidung im Nationalrat für Sanierungsprojekt
  • August 2014: Bietergemeinschaft Jabornegg & Pálffy_AXIS erhält Zuschlag für Planung

2015-2017

  • Planung
  • Einrichtung Ausweichquartier. Erste Sitzung des Nationalrates im Plenarsaal der Hofburg am 16. August 2017

2018

  • Erstes Jahr auf der Baustelle
  • – Bauvorbereitende Maßnahmen (Abtransport der Attikafiguren, Räumung des Gebäudes, etc.)
  • – Erste Baumaßnahmen (Einrichtung der Baustelle, Beginn der Demontagen)
  • – Juni: Demontage Wappenadler
  • Sommer 2018: Öffnung des Daches
  • Abbrucharbeiten im ganzen Gebäude
  • Herbst 2018: Beginn der Rohbaumaßnahmen durch Baumeister

2019

  • Beginn der Dachsanierungsarbeiten
  • Juni 2019: Fertigstellung Rohbau unter Bundesversammlungssaal
  • Sommer 2019: Beginn der ersten Innenausbauarbeiten 

 

Rückfragehinweis:

Mag. Laura Holzer

Pressestelle BIG

+43 664 80745 – 4933

laura.holzer@big.at