Parlamentssanierung: Patina statt Hochglanz: Besonderer Fokus auf Denkmalschutz

Foto- und Informationstermin Parlamentsbaustelle 08. Juli 2019

Baustelle im Plan

Die im vergangenen Jahr gestartete Generalsanierung des Parlaments in Wien läuft plangemäß. Bis Sommer 2021 wird das historische Gebäude am Ring umgebaut und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Derzeit sind ca. 90 Prozent der Vergabeverfahren abgewickelt. Insgesamt sind ca. 80 Prozent der Aufträge bereits vergeben. Die Generalsanierung ist mit einer Kostenobergrenze von 352,2 Millionen gedeckelt.

Status quo

„Vom Keller bis zum Dach“ – so lautet das Motto der Sanierung, denn die Zeit hat ihre Spuren im gesamten Haus und damit auch im Dach des Parlamentsgebäudes hinterlassen. Das Originaldach wurde von Hansen in Anlehnung an ein römisch antikes Dach mit sogenannten Mönchs- und Nonnenziegeln nachgebildet. 1945 fast zur Gänze durch Bombentreffer zerstört, wurde es in den Folgejahren als Flickwerk wieder repariert. In den kommenden Monaten stehen rund 8.000 Quadratmeter zur Erneuerung an. Die erforderlichen Arbeitsschritte sind durchaus komplex: zunächst müssen in Teilbereichen, wo neue Dachöffnungen geschaffen werden, die darunterliegenden Räume vor Bewitterung gesichert werden, erst danach erfolgen Abbruch und Neukonstruktion von Beton- und Stahlträgern. In einem letzten Schritt wird die derzeitige Dachhaut vollständig abgetragen und das neue Blechdach montiert.

Ebenfalls im Fokus der nächsten Wochen steht die statische Konstruktion als Grundlage zum Ausbau des Besucherzentrums. Zug um Zug werden nun dort „Stahlträger“ integriert, um danach platzraubende Säulen entfernen zu können. Intensiv gearbeitet wird auch rund um den Nationalratssitzungssaal: hier werden Wände und Decken hin zu den Wirtschaftshöfen abgebrochen, damit das neu errichtete Lokal I direkten Lichteinfall erhält.

Nächste Schritte

  • Restaurierung der historischen wertvollen Flächen, Fenster, Türen und Wandmalereien
  • Sanierung der Dachhaut im gesamten Gebäude
  • Stahlbetonarbeiten für die Anbindung zur Tiefgarage Schmerlingplatz
  • Einbringen der Großkomponenten der technischen Gebäudeausstattung
  • Stahlbetonarbeiten für die Haupttreppen
  • Einbau Stahlträgerkonstruktion für die Decke des neuen Besucherzentrums
  • Einbau Stahlträgerkonstruktion für den Boden des Besucherrestaurants

Derzeit sind 240 Menschen auf der Baustelle beschäftigt. In Spitzenzeiten werden es über 550 sein.

Patina statt Hochglanz

Während der gesamten Bauarbeiten steht der Denkmalschutz besonders im Fokus. Die Restaurierungsarbeiten der denkmalgeschützten, historisch wertvollen Oberflächen werden gut eineinhalb Jahre dauern. Grundgedanke bei den denkmalpflegerischen Maßnahmen ist die Reinigung und Konservierung. Die historisch wertvollen Oberflächen werden behandelt und die erhalten gebliebene, historische Möblierung wird restauriert. So soll die Patina erhalten bleiben, das Gebäude aber in neuem Glanz erstrahlen. Im Zuge der Sanierung werden besonders die aus zwei Zeitachsen stammenden Oberflächen behandelt: Entstehungszeit unter Theophil Hansen (1874-1883) und Wiederaufbau von rund 80 Prozent der innenräumlichen Substanz durch Fellerer & Wörle 1945 – 1956. Denn zu Kriegsende waren immerhin etwa 80 Prozent des Gebäudes in unterschiedlichen Schweregraden zerstört.

Darüber hinaus werden bereits seit letztem Sommer rund 740 Fenster und rund 600 Türen vor Ort restauriert sowie thermisch und sicherheitstechnisch adaptiert. 500 Luster wurden demontiert, gereinigt und werden nach der Sanierung wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Alle Restaurierungsarbeiten werden fast ausschließlich von heimischen Klein- und Mittelbetrieben erbracht.

Zahlen und Fakten Parlamentsgebäude

  • Größe (einschließlich Rampe): Länge 151,68 Meter/Breite 132,72 Meter
  • Grundstücksfläche: 20.142 Quadratmeter
  • 1.600 Räume
  • Größter Raum: Säulenhalle (24×41 Meter, Gesamtfläche fast 1.000 Quadratmeter

Flächengewinn durch Projekt:

  • 10.000m² Steigerung Nutzfläche
  • 3.000m² Steigerung Fläche für Büroarbeitsplätze

Zahlen und Fakten zur Sanierung

  • 55.000 m2 Netto-Geschoßflächen werden saniert
  • 40.000 m2 Böden werden abgebrochen und inkl. Elektroninstallationen neu verlegt
  • 740 Fenster werden thermisch saniert
  • Rund 600 Türen werden saniert, ca. 200 den Brandschutzanforderungen gerecht adaptiert
  • 500 Luster / Leuchten wurden demontiert, gereinigt und wieder montiert  

Chronologie

 2014

  • Juli 2014: Einstimmige Entscheidung im Nationalrat für Sanierungsprojekt
  • August 2014: Bietergemeinschaft Jabornegg & Pálffy_AXIS erhält Zuschlag für Planung

2015-2017

  • Planung
  • Einrichtung Ausweichquartier. Erste Sitzung des Nationalrates im Plenarsaal der Hofburg am 16. August 2017

2018

  • Erstes Jahr auf der Baustelle
  • – Bauvorbereitende Maßnahmen (Abtransport der Attikafiguren, Räumung des Gebäudes, etc.)
  • – Erste Baumaßnahmen (Einrichtung der Baustelle, Beginn der Demontagen)
  • – Juni: Demontage Wappenadler
  • Sommer 2018: Öffnung des Daches
  • Abbrucharbeiten im ganzen Gebäude

2019-07-08

 

Rückfragenhinweis:
Mag. Ernst Eichinger, MBA, MRICS
BIG Pressesprecher
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