Dachgleiche bei temporären Pavillons erreicht

Die drei temporären Pavillons auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof der Hofburg haben die Dachgleiche erreicht. Ende April sollen die Bürohäuser fertig sein und an das Parlament übergeben werden. Dann beginnt der Countdown in Richtung Totalabsiedelung des parlamentarischen Betriebs und Start der Generalsanierung.

Auf dem Weg zur Generalsanierung des Parlamentsgebäudes sei ein weiteres wichtiges Etappenziel geschafft, sagte Nationalratspräsidentin Doris Bures bei einer Pressekonferenz am 19. Jänner 2017: Die temporären Pavillons auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof der Hofburg haben Dachgleiche erreicht. Wie es guter Tradition am Bau entspricht, findet aus diesem Anlass eine Gleichenfeier statt.

NR-Präsidentin Doris Bures: „Provisorium mit klarem Ablaufdatum“

Als Ausweichquartiere für die Dauer der Sanierung des Parlamentsgebäudes werden auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof der Hofburg insgesamt drei temporäre Pavillons errichtet (Grundfläche jeweils 30×40 Meter, drei bzw. vier Geschoße, Gesamtnutzfläche 11.450 Quadratmeter). Als Totalunternehmerin fungiert die STRABAG AG, die Generalplanung liegt bei der Werkstatt Grinzing WGA ZT Gmbh.

„Diese Pavillons sind ein Provisorium mit klarem Ablaufdatum“, stellte NR-Präsidentin Bures fest. Ziel sei von Anfang an gewesen, Zweckbauten als Ausweichquartiere für die Dauer der dringend notwendigen Generalsanierung des Parlaments zu errichten. Dank der innovativen Technologie, die bei den Pavillons zum Einsatz kommt, seien Rückbau und Nachnutzung gewährleistet.

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Pressekonferenz anlässlich der Gleichenfeier bei den temporären Pavillons auf dem Heldenplatz (v.li.) Sigi Ramoser, Designbüro Sägenvier, Christian Leitner, Lukas Lang Building Technologies, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Parlamentsvizedirektor und Projektleiter Alexis Wintoniak, Burghauptmann Reinhold Sahl , Direktionsleiter Herbert Vanzo, STRABAG AG. © Parlamentsdirektion / Thomas Topf

Nachhaltigkeit als Prinzip bei Generalsanierung und Ausweichquartier

Um den Erschließungskern in Massivbauweise (Stiegenhäuser, Lifte, WC-Anlagen) werden die Pavillons in Holzsteckbauweise errichtet. Das Baukastensystem wird von der Lukas Lang Building Technologies GmbH  geliefert. Diese innovative österreichische Technologie setzt ganz auf Nachhaltigkeit.

„Nachhaltigkeit nimmt sowohl beim Übersiedelungs- wie beim Sanierungsprojekt hohen Stellenwert ein“, führte Präsidentin Bures aus. So soll mittels verschiedener Maßnahmen im Zuge der Generalsanierung der Heizenergieverbrauch im Parlamentsgebäude mehr als halbiert werden. Und rund die Hälfte der Ausgaben für Ausweichquartier und Übersiedelung sind nachhaltige Investitionen.

Einige Beispiele für nachhaltige Effekte:

  • Dank verbesserter Wärmedämmung, präziser Steuerung von Lufttechnik, Heizung und Kühlung soll der Energieeinsatz im Parlamentsgebäude deutlich effizienter werden. Ziel ist, den Heizenergieverbrauch pro Quadratmeter Nutzfläche und Monat von derzeit € 4,57 auf ca. € 1,84 zu senken – also mehr als zu halbieren.
  • Dieses ambitionierte Ziel wurde mit der „klimaaktiv Planungsauszeichnung in Gold“ anerkannt. Dem Parlamentsgebäude kommt somit Vorbildcharakter zu. Mit der Generalsanierung kann bewiesen werden, dass sich historisch-architektonische Qualitäten eines denkmalgeschützten Gebäudes sehr gut mit strengen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimaschutz vereinbaren lassen.
  • Die für die drei temporären Pavillons erforderliche Mange an Fichtenholz wächst in Österreich in rund 30 Minuten nach.
  • Die Gebäude werden nach drei Jahren wieder abgebaut und andernorts in neuer Kombination wieder verwendet. So könnten daraus 80 Einfamilienhäuser oder 9 Kindergärten entstehen.
  • Das Hofburg-Areal wird durch die Investitionen des Parlaments (Renovierungsmaßnahmen, Dateninfrastruktur, Sicherheit, Barrierefreiheit) aufgewertet, sie bedeuten also eine Wertsteigerung von Bundesvermögen.

„Die heutige Gleichenfeier gibt mir als Bauherrin Gelegenheit, mich bei allen am Bau beteiligten Unternehmen sowie im besonderen bei deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bedanken“, so NR-Präsidentin Bures. Sie hätten in den vergangenen Monaten – zum Teil bei ungewöhnlich tiefen Temperaturen – ausgezeichnete Arbeit geleistet. „Verbunden mit dem Dank dafür ist der Wunsch nach einem weiteren unfallfreien Verlauf“, sagte Bures.

Alexis Wintoniak, Projektleiter: „Nach drei Jahren wieder weg“

„Wir sind nicht hier, um zu bleiben, sondern werden nach drei Jahren wieder gehen“, erklärte Projektleiter Alexis Wintoniak. Im Sommer 2020, nach der Rückübersiedelung in das Parlamentsgebäude, würden die Pavillons zerlegt und andernorts wiederverwendet. Darauf sei das nach einem europaweit ausgeschriebenen Verhandlungsverfahren bestgereihte Angebot ausgelegt, so Wintoniak: „Der Rückbau der Pavillons inklusive Beseitigung der Fundamente wird in etwa 16 Wochen dauern. Danach wird der Heldenplatz aussehen wie vorher und der parlamentarische Betrieb wieder im Parlament stattfinden. Auf diese Situation bereiten wir uns bereits jetzt vor.“

„Wir betreten mit der Übersiedelung in das Ausweichquartier Neuland“, erklärte Projektleiter Wintoniak. Eingeübte und perfektionierte Betriebsabläufe müssten an die geänderten Bedingungen angepasst werden, das erforderte hohe Motivation, Flexibilität, Fähigkeit zu Improvisation und gegenseitige Rücksichtnahme. Kurzfristiges Ziel sei, die Infrastruktur der Ausweichquartiere für den parlamentarischen Betrieb so zu adaptieren, dass die besonderen Erfordernisse des Parlaments verfassungskonform berücksichtigt werden und der parlamentarische Betrieb sichergestellt sei, so Wintoniak. Langfristig plane man jedoch, jene Neuerungen, die während der Interimsphase erprobt werden, im Jahr 2020 in den Regelbetrieb des Parlaments einzubinden.

Reinhold Sahl, Burghauptmann: „Synergien zwischen Parlament und Hofburg“

„Der vorübergehende Einzug des Parlaments in das Hofburg-Areal ist für die Burghauptmannschaft als Gastgeberin eine Selbstverständlichkeit“, betonte Burghauptmann Sahl. Damit werde die Gemeinschaft der hier ansässigen, hochkarätigen Institutionen bereichert.

Die Investitionen des Parlaments in das Gebäude seien nachhaltig und würden zu einer langfristigen Wertsteigerung des gesamten Areals führen. Zudem bringe die Zusammenarbeit mit dem Parlament wertvolle Synergien mit: ein geplantes gemeinsames Vermittlungsangebot, auch für Kinder und Jugendliche, sowie tausende zusätzliche Besucherinnen und Besucher seien für die Hofburg Wien von essentieller Bedeutung.

„Die Hofburg Wien ist seit 2016 Trägerin des Kulturerbe-Siegels und als solche dazu verpflichtet, die Bedeutung des Areals in Zukunft noch stärker zu vermitteln. Mit unseren Maßnahmen wollen wir vor allem auch Kinder und Jugendliche erreichen – das Parlament ist dafür der ideale Partner“, führte Sahl die Vorteile der Kooperation aus.

Herbert Vanzo, STRABAG AG: „Ökonomische und ökologische Vorteile“

„Der Rohbau wurde zeitgerecht fertig gestellt, nun kann mit dem Innenausbau gestartet werden“, berichtete STRABAG-Direktionsleiter Herbert Vanzo. Da an dem historisch sensiblen Ort mit archäologischen Funden zu rechnen war, waren die Erdarbeiten frühzeitig in Angriff genommen worden, um eine pünktliche Fertigstellung der Pavillons zu gewährleisten. So konnte der Baubeginn um einen Monat auf Anfang September vorverlegt werden.

Zuerst wurde von STRABAG der Erschließungskern in Massivbauweise erstellt. Anschließend errichtete das Subunternehmen Lukas Lang Building Technologies GmbH die Pavillons in Holzsteckbauweise. In den kommenden Wochen werden bis zu 100 Menschen auf der Baustelle arbeiten, um Böden zu verlegen, Wände und Türen zu montieren und die umfangreiche Haustechnik zu installieren. „Der Einhaltung des Zeitplans steht somit aus heutiger Sicht nichts im Weg“, betonte Direktionsleiter Vanzo. Ende April sollen die Pavillons an das Parlament übergeben werden.

Damit sei das Projekt allerdings nicht abgeschlossen, sondern erst zur Hälfte umgesetzt, so Vanzo: „Die drei Pavillons werden nach der Sanierung des Parlamentsgebäudes abgebaut und weiterverwertet, was sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet.“ Abschließend werden die Betonfundamente rückgebaut und der ursprüngliche Zustand des Heldenplatzes wieder hergestellt.

Christian Leitner: „Baukastensystem zur Wiederverwertung“

„Unsere Technologie basiert auf einer Baukastensystematik, die ganz auf Werterhaltung und Nachnutzung ausgerichtet ist“, führte LLBT-Geschäftsführer Christian Leitner aus. Die vielfältigen Elemente würden nach Bedarf zu schlüsselfertigen Gebäuden kombiniert. Jedes Gebäude sei somit ein Unikat aus zuvor industriell produzierten Komponenten. Und, so Leitner: „Die Gebäude können zerstörungsfrei um-, an- oder abgebaut und an anderer Stelle in anderer Formgebung und auch für geänderte Nutzung wieder errichtet werden. Eine Philosophie, die bereits gelebt wird.“

Lukas Lang produziert nicht selbst, sondern arbeitet wie die Autoindustrie mit Zulieferbetrieben. Die rationellen Produktionsprozesse ermöglichen es, in einem Hochlohnland wie Österreich zu produzieren. 80 % des Lukas Lang Auftragsvolumens, das allein für Tragwerk und Gebäudehülle aus rund 140 unterschiedliche Baukomponenten besteht, wird von Österreichischen Betrieben gefertigt und zu Baukomponenten assembliert, die auf der Baustelle leicht und rasch montiert werden können und so die Montage der Büro-Pavillons innerhalb weniger Monate ermöglichen.

Sigi Ramoser/Sägenvier: „Zu aktiver Teilnahme an Demokratie motivieren“

An den beiden Pavillons werden zum Sicht- und Sonnenschutz Netzfolien angebracht, die als Informationsfläche genutzt und zweimal (jeweils im Frühsommer) gewechselt werden sollen. Das Grafikdesignbüro Sägenvier aus Dornbirn wurde beauftragt, die Außenfassaden zu gestalten. Das vom Nutzerbeirat ausgewählte Konzept überzeugt durch schlichte Eleganz, setzt stark auf das Wort als zentrales Element der Gesetzgebung und betont den zeitlich befristeten Charakter der Bürohäuser, die sich für drei Jahre in das Gesamtensemble Heldenplatz einfügen.

Als grafische Gestaltungsmittel werden Texte eingesetzt, die sich wie Perlenschnüre rund um die Gebäude legen und inhaltliche wie ornamentale Elemente darstellen. Diese Texte sollen in Jahresschritten erweitert werden und am Ende ein grafisches Gesamtbild ergeben.

„Wir schlagen vor, mit Hilfe von Auszügen aus verschiedenen verfassungsmäßigen Regelwerken auf die Prinzipien einer demokratisch organisierten Gesellschaft aufmerksam zu machen“, erläuterte Sigi Ramoser, Inhaber und Geschäftsführer des Designbüros Sägenvier, die Konzeptidee. Auf diese Weise soll Grundrechtsbewusstsein vermittelt und zu aktiver Teilnahme an Demokratie motiviert werden. In den kommenden Wochen wird das Entwurfskonzept hinsichtlich der farblichen und inhaltlichen Gestaltung konkretisiert.

Rückfragen: Gerhard Marschall Tel. 01/40110-2277, Mobil 0676/89002277