Parlamentssanierung voll auf Kurs

Vertiefter Vorentwurf freigegeben, Projektgesellschaft gegründet

Nationalratspräsidentin Doris Bures hat den vertieften Vorentwurf zur nachhaltigen Sanierung des Parlamentsgebäudes freigegeben. Außerdem wurde vergangenen Donnerstag die Projektgesellschaft, eine Kooperation zwischen Parlamentsdirektion und Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), gegründet. Damit wurde eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Baubeginn im Sommer 2017 absolviert.

„Wir sind noch nicht in der Zielgeraden, aber voll auf Kurs“, beschrieb Nationalratspräsidentin Doris Bures heute im Rahmen einer Pressekonferenz den Stand der Vorbereitungsarbeiten zur Sanierung des Parlamentsgebäudes.

Diese haben soeben drei wichtige Etappen absolviert:

  • Der vertiefte Vorentwurf zur nachhaltigen Sanierung des Parlamentsgebäudes wurde freigegeben.
  • Eine Projektgesellschaft, bestehend aus Parlamentsdirektion und BIG, wurde gegründet
  • Das Ausschreibungsverfahren zur Errichtung temporärer Pavillons auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof befindet sich bereits in zweiter Stufe.

Die Präsidentin zeigte sich mit dem Projektfortgang zufrieden und dankte allen Beteiligten für die bisher geleistete Arbeit.

Ebenso wichtig wie das Tempo seien Planungssicherheit und Kostendisziplin, erklärte Bures. Oberste Priorität habe die Einhaltung der im einstimmig beschlossenen Gesetz festgelegten Kostenobergrenzen (Sanierung Parlamentsgebäude 352,2 Mio. €, Übersiedelung/ Interimslokation 51,4 Mio. €). Das sei nach wie vor gewährleistet, stellte die NR-Präsidentin fest: „Beide Projekte – Übersiedelung und Sanierung – folgen exakt dem strengen Zeit- und Kostenplan, den wir uns gegeben haben. Darauf habe ich ein besonderes Auge, denn wir sind dem Steuerzahler im Wort.“

Vertiefter Vorentwurf freigegeben

Das im August 2014 in einem europaweiten Vergabeverfahren ausgewählte Projekt zur nachhaltigen Sanierung des Parlamentsgebäudes wurde in den vergangenen Monaten präzisiert und vertieft. In diesen intensiven Arbeitsprozess waren die Fraktionen, alle Abteilungen des Hauses, aber auch externe NutzerInnen eingebunden.

Der vom Generalplaner nunmehr vorgelegte vertiefte Vorentwurf wurde mit Projektsteuerung und Begleitender Kontrolle im Detail abgestimmt. Das betraf die konkretisierten Planungen ebenso wie die Kostenschätzungen. Nach der Befassung des Bauherrenausschusses erfolgte gestern, Montag, die Freigabe des vertieften Vorentwurfs durch die Präsidentin.

Der Generalplaner wird jetzt die Planungsarbeiten fortsetzen und bis Mai 2016 den endgültigen Entwurf vorlegen. Dieser stellt die Grundlage für die Ausschreibung der verschiedenen Leistungen dar.

Wesentlicher Schritt zur Detailreife

Namens der Generalplaner Jabornegg & Pálffy_AXIS erläuterte Architekt András Pálffy den aktuellen Projektstand: „Wir haben in den vergangenen Monaten den Vorentwurf in vielen Abstimmungsgesprächen einen wesentlichen Schritt weiter zur Detailreife gebracht.“ Jetzt sei das Projekt auf dem Weg zur Ausführungsplanung.

Die ursprüngliche Aufgabenstellung sei unverändert: Neben der nachhaltigen Sanierung des Gebäudes gehe es darum, das Haus weiter zu öffnen, um dem wachsenden Bedürfnis nach Information und Transparenz gerecht zu werden. Zudem sollen die Arbeitssituationen für Abgeordnete und MitarbeiterInnen auf einen zeitgemäßen Standard gebracht werden.

Alles zusammen soll laut Pálffy durch eine Vielzahl an architektonischen und baulichen Maßnahmen erreicht werden, die aber allesamt im Einklang mit dem Konzept von Theophil Hansen stünden.

Offen – hell – freundlich – transparent – zeitgemäß

Das Generalplaner-Konzept enthält eine Reihe markanter architektonischer Akzente, die dem Haus unter Wahrung des Denkmalschutzes einen neuen Charakter verleihen sollen. Einige Beispiele dafür:

  • Unter der Säulenhalle soll ein großzügiges BesucherInnenzentrum entstehen. Von hier aus wird das Gebäude über zusätzliche Stiegenhäuser und Lifte bis in das komplett neu gestaltete Dachgeschoß hinauf erschlossen.
  • Der Nationalratssitzungssaal wird flacher und dadurch weitgehend barrierefrei. Zugleich erhält er ein neues Design samt zeitgemäßem Mobilar.
  • Die RednerInnen sollen in das Zentrum rücken, die Regierungsbank sollt zweigeteilt links und rechts davon platziert werden.
  • Das Couloir des NR-Saales wird zur Südseite des Gebäudes hin sowie durch Einbauten in zwei Innenhöfe deutlich erweitert.
  • Als Symbol für Transparenz wird der Plenarsaal nach oben hin geöffnet, indem die derzeitige Zwischendecke entfernt wird.
  • Im dadurch entstehenden Dachgeschoßbereich wird ein neuer Rundgang für BesucherInnen geschaffen.
  • Untersuchungsausschüsse werden in Zukunft unter dem NR-Saal in einem neuen Lokal tagen.
  • Auch unter dem Bundesversammlungssaal soll ein neues, großes Ausschusslokal entstehen.
  • Über dem Bundesversammlungssaal sollen zusätzliche Büroflächen geschaffen werden.
  • Im vollständig sanierungsbedürftigen Dachbereich werden derzeit brachliegende Flächen genutzt. Es sollen Sitzungs- und Büroräume sowie ein auch für die BesucherInnen zugängliches Restaurant entstehen.
  • Vier Terrassen werden den BesucherInnen neue Blicke auf die Stadt Wien eröffnen.

Projektgesellschaft gegründet

Zur Umsetzung des Projekts wurde die Parlamentsgebäudesanierungsgesellschaft mbH, eine Kooperation von Parlamentsdirektion und Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), gegründet. Am 5. 11. wurde der Gesellschaftsvertrag unterzeichnet und notariell beglaubigt. Anteile am Stammkapital: Republik Österreich 51 % (vertreten durch die Parlamentsdirektion), BIG 49 %.

Organe der Gesellschaft:

  • Geschäftsführung

Mag. Alexis Wintoniak/Parlamentsdirektion

DI Harald Wagner/BIG

  • Aufsichtsrat

Entsandt seitens Parlamentsdirektion:

Dr. Karl-Johann Hartig, Gesamtprojektleiter Hauptbahnhof Wien

Sektionschef Dr. Helmut Moser (bisher Lenkungsausschuss),

Mag. Alexandra Loidl-Kocher (bisher Lenkungsausschuss);

Entsandt seitens BIG:

Christine Marek/Vorsitzende BIG-Aufsichtsrat

DI Wolfgang Gleissner/BIG-Geschäftsführer

Mag. Alexander Palma/Mitglied BIG-Aufsichtsrat

Aufgabe der Gesellschaft ist es, die Sanierung des Parlamentsgebäudes gemäß Gesetz sowie die Übersiedelung in die Interimslokation weiter voranzutreiben und umzusetzen.

Vergabeverfahren zu Pavillons in der 2. Stufe

Während der Sanierungsphase werden Nationalrat und Bundesrat im großen Redoutensaal der Hofburg tagen. Dazu gibt es eine Vereinbarung mit der Hofburg, welche die Nutzung von Nebenräumen einschließt.

Um den gesamten Raumbedarf abzudecken, werden auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof drei temporäre Pavillons in Fertigbauweise errichtet. „Die öffentliche Ausschreibung dazu wurde im August gestartet, das Verfahren ist jetzt in die 2. Stufe eingetreten“, berichtete Projektleiter Parlamentsvizedirektor Alexis Wintoniak. Ende der Angebotsfrist ist am 23. Dezember 2015.

Der Zuschlag ist für Frühjahr 2016 in Aussicht genommen. Mit der Errichtung der Fundamente soll im Herbst 2016 begonnen werden, die Pavillons sollen Ende April 2017 bezugsfertig sein.

„Alle Planungen erfolgen unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf den Kongress- und Konferenzstandort Wien“, versicherte Projektleiter Wintoniak. Somit sei gewährleistet, dass das Internationale Konferenzzentrum Hofburg Vienna seinen Betrieb ohne wesentliche Einschränkungen aufrechterhalten können wird.

Die beiden Pavillons auf dem Heldenplatz werden die Wiesenflächen zum Volksgarten hin beanspruchen. Der Großteil des Platzes ist nicht betroffen und weiterhin nutzbar.

Pressekonferenz am 10. November 2015