Parlamentssanierung: Rohbauarbeiten für neues Ausschusslokal unter NR-Saal

Foto- und Informationstermin Parlamentsbaustelle 8. April 2019

Baustelle im Plan

Die im vergangenen Jahr gestartete Generalsanierung des Parlaments in Wien läuft plangemäß. Bis Sommer 2021 wird das historische Gebäude am Ring umgebaut und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Derzeit sind ca. 80 Prozent der Vergabeverfahren abgewickelt. Insgesamt sind ca. 75 Prozent der Aufträge bereits vergeben. Die Generalsanierung ist mit einer Kostenobergrenze von 352,3 Millionen gedeckelt.

Status quo

Derzeit herrscht in nahezu allen Bereichen des Hauses rege (Roh-)Bautätigkeit. Besonderes im Fokus steht aber nach wie vor das Areal rund um den Nationalratssitzungssaal. Hier ist nach den massiven Abbrucharbeiten des letzten Jahres der Wiederaufbau in vollem Gange. Für die Haustechnikzentrale Süd unter dem Nationalratssitzungssaal im zwei­ten Untergeschoß sind die Betonarbeiten größtenteils bereits abgeschlossen, mit dem Rohbau des neuen Ausschusslokals unter dem Plenarsaal wurde gerade begonnen. Außerdem werden die frü­heren Publikums- und Journalistenstiegen – sie mussten aus statischen Gründen bis dato erhalten bleiben – abgebrochen. Ende 2019, Anfang 2020 wird über dem Saal mit der Montage der Gitternetzschale, einer Stahlkonstruktion, für das neue Glasdach – eines der architektonischen Highlights – begon­nen. Das entsprechende Vergabeverfahren wurde vor wenigen Tagen mit der Zuschlagserteilung abgeschlossen. Die Erschließung des Saales für Externe wird komplett neu organi­siert.

Spektakulär ist auch die Stahlträgerunterfangung des Bundesversammlungssaals. Die Rohbauarbeiten für die Haustechnikzentrale Nord unterhalb dieses Saals sind bereits in vollem Gange.

Nächste Schritte

Die baulichen Eingriffe konzentrieren sich aber nicht auf wenige zentrale Punkte, sondern betreffen das ganze Haus. Derzeit sind 240 Menschen auf der Baustelle beschäftigt. In Spitzenzeiten werden es über 550 sein.

  • Errichtung der vier neuen Hauptstiegenhäuser,
  • Fertigstellung Stahlbetonarbeiten des neuen Medienkollektors im Untergeschoß,
  • Fertigstellung Rohbau-, Umbauarbeiten für zukünftige Büros unter Dach,
  • Fertigstellung der Haustechnikzentrale Nord unter dem Bundesversammlungssaal,
  • Sanierung der Dachhaut,
  • Rohmontage Elektroinstallation, Heizung, Kälte, Lüftung, Sanitär,
  • Einbringen der Großkomponenten der Technischen Gebäudeausstattung,
  • Restaurierung der historischen Fenster und Türen
  • Besucherzentrum unter der Säulenhalle: Abbruch der bestehenden Einbauten und Abfangen der Decke

Patina statt Hochglanz

Parallel zu den Bauarbeiten läuft im April die Restaurierung der denkmalgeschützten, historisch wertvollen Oberflächen, die gut eineinhalb Jahre dauern werden, an. Grundgedanke bei den denkmalpflegerischen Maßnahmen ist die Reinigung und Konservierung. Die historisch wertvollen Oberflächen werden behandelt und die erhalten gebliebene, historische Möblierung wird restauriert. So soll die Patina erhalten bleiben, das Gebäude aber in neuem Glanz erstrahlen. Im Zuge der Sanierung werden besonders die aus zwei Zeitachsen stammenden Oberflächen behandelt: Entstehungszeit unter Theophil Hansen (1874-1883) und Wiederaufbau von rund 80 Prozent innenräumlichen Substanz durch Fellerer & Wörle 1945 – 1956. Denn zu Kriegsende waren immerhin etwa 80 Prozent des Gebäudes in unterschiedlichen Schweregraden zerstört.

Darüber hinaus werden bereits seit letztem Sommer rund 740 Fenster und 500 Türen vor Ort restauriert sowie thermisch und sicherheitstechnisch adaptiert. 500 Luster wurden demontiert, gereinigt und werden nach der Sanierung wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Alle Restaurierungsarbeiten werden fast ausschließlich von heimischen Klein- und Mittelbetrieben erbracht.

Öffnung des Parlaments für Besucherinnen und Besucher

Ein wesentliches Ziel der Sanierung ist die Öffnung des Hauses für die Bevölkerung. Ein Gästepanorama über dem NR-Saal, ein öffentliches Restaurant und ein neues, weitläufiges Besucherzentrum sollen Besucherinnen und Besucher die Teilhabe am parlamentarischen Geschehen in Zukunft ermöglichen. Die Vorbereitungsarbeiten für das Besucherzentrum sind bereits im Laufen: so werden unterhalb der Säulenhalle weitreichende statische Maßnahmen – Verstärkung der Decke, Einbringung von Stahlträgern – gesetzt, um diesen baulich ambitionierten Eingriff vorzubereiten. Der Rohbau soll Ende 2019 fertiggestellt sein.

Zahlen und Fakten Parlamentsgebäude

  • Größe (einschließlich Rampe): Länge 151,68 Meter/Breite 132,72 Meter
  • Grundstücksfläche: 20.142 Quadratmeter
  • 1.600 Räume
  • Größter Raum: Säulenhalle (24×41 Meter, Gesamtfläche fast 1.000 Quadratmeter

Flächengewinn durch Projekt:

  • 10.000m² Steigerung Nutzfläche
  • 3.000m² Steigerung Fläche für Büroarbeitsplätze

Zahlen und Fakten zur Sanierung

  • 55.000 m2 Netto-Geschoßflächen werden saniert
  • 40.000 m2 Böden werden abgebrochen und inkl. Elektroninstallationen neu verlegt
  • 740 Fenster werden thermisch saniert
  • 600 Türen werden saniert, ca. 200 den Brandschutzanforderungen gerecht adaptiert
  • 500 Luster / Leuchten wurden demontiert, gereinigt und wieder montiert  

Chronologie

 2014

  • Juli 2014: Einstimmige Entscheidung im Nationalrat für Sanierungsprojekt
  • August 2014: Bietergemeinschaft Jabornegg & Pálffy_AXIS erhält Zuschlag für Planung

2015-2017

  • Planung
  • Einrichtung Ausweichquartier. Erste Sitzung des Nationalrates im Plenarsaal der Hofburg am 16. August 2017

2018

  • Erstes Jahr auf der Baustelle
  • – Bauvorbereitende Maßnahmen (Abtransport der Attikafiguren, Räumung des Gebäudes, etc.)
  • – Erste Baumaßnahmen (Einrichtung der Baustelle, Beginn der Demontagen)
  • – Juni: Demontage Wappenadler
  • Sommer 2018: Öffnung des Daches
  • Abbrucharbeiten im ganzen Gebäude

2019-04-08

 

Rückfragenhinweis:
Mag. Ernst Eichinger, MBA, MRICS
BIG Pressesprecher
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