Fragen & Antworten

Warum muss saniert werden?

Das Parlamentsgebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und war – trotz laufender Instandhaltungsarbeiten – am Ende seiner so genannten technischen Lebensdauer angelangt. Bestimmte Anlagen stammten noch aus der Zeit der Errichtung und entsprachen nicht mehr dem heutigen Standard. Zudem wurden die Schäden nach Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg mit den damals zur Verfügung stehenden finanziellen und technischen Möglichkeiten nur unzureichend repariert. Außerdem muss der gesetzeskonforme Zustand, etwa hinsichtlich Barrierefreiheit, hergestellt werden.

 

Warum wurde eine Generalsanierung des gesamten Hauses notwendig?

Im Zuge der langfristigen Planung der Gebäudeerhaltung wurden mehrere Gutachten und Untersuchungen zum technischen Zustand des Parlamentsgebäudes durchgeführt, die erhebliche Schäden und Mängel feststellten (u.a. in der Bausubstanz, in der Haustechnik, in der Dachkonstruktion und ebenso hinsichtlich des Brandschutzes und der Barrierefreiheit). Eine teilweise Sanierung, wie ursprünglich angedacht, erwies sich als nicht ausreichend. Am 9. Juli 2014 beschloss der Nationalrat daher einstimmig die nachhaltige Sanierung des kompletten Parlamentsgebäudes.

Neben der Behebung der Schäden und Mängel, der Verbesserungen im Betrieb und der Erschließung vorhandener Raumreserven ist eine weitere Öffnung des Hauses für die Bürgerinnen und Bürger ein zentrales Ziel des Sanierungsprojekts. Zugleich wurde die gänzliche Absiedelung des parlamentarischen Betriebs für die Dauer der Bauarbeiten beschlossen.

 

Warum wurde nicht schon früher saniert?

Das Haus verfügt über eine hervorragende Grundsubstanz, die dank ständiger, behutsamer Instandsetzungen über eine sehr lange Zeit erhalten werden konnte. Im Zuge der Planungen zur Erneuerung des Nationalratssitzungsaales traten im Umfeld nach und nach größere Mängel zutage. In der Folge wurde zum ersten Mal ein umfassender Gebäudescann vorgenommen, also eine Durchleuchtung des gesamten Gebäudes. Dabei zeigte sich das gesamte Ausmaß des dringenden Sanierungsbedarfs.

 

Warum kein Neubau auf der grünen Wiese?

Derartige Überlegungen wurden angestellt, jedoch aus guten Gründen verworfen. Es stimmt, dass der reine Bau eines neuen Parlamentsgebäudes vermutlich billiger käme als die Sanierung des bestehenden Hauses. Allerdings müsste dafür erst ein geeignetes Grundstück gefunden und auch erworben werden. Abgesehen davon müsste das alte, denkmalgeschützte Gebäude jedenfalls saniert werden, wobei ein passender Verwendungszweck erst zu definieren wäre. Vor allem aber ist das Haus am Ring als Parlament konzipiert und aufgrund der genialen Planung Theophil Hansens und der architektonischen Auffrischung auf lange Zeit als solches bestens geeignet.

 

Wieviel wird das Sanierungsprojekt alles in allem kosten?

Die Kostenobergrenze ist in dem 2014 von Nationalrat und Bundesrat einstimmig beschlossenen Gesetz mit 352,2 Mio. € festgelegt. Dazu kommen 51,4 Mio. € für die Interimslokation sowie Ab- und Rücksiedlung. Darin sind die Kosten für die Bauleistungen, die Haustechnik, die Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen im historischen Parlamentsgebäude, die Errichtung der temporären Pavillons, die Einbauten in der Hofburg, die Einrichtungen für das sanierte Parlamentsgebäude und die Interimslokation, die Übersiedlungen sowie sämtliche Nebenleistungen, Honoraren, Valorisierungen und Reserven enthalten.

 

Warum wurde der gesamte Betrieb aus dem Parlamentsgebäude abgesiedelt?

Es wurden verschiedene Möglichkeiten – von einer teilweisen bis hin zur vollständigen Absiedelung des Betriebs aus dem Parlamentsgebäude – geprüft. Es stellte sich heraus, dass eine teilweise Freimachung des Gebäudes bzw. eine etappenweise Sanierung aufgrund der technischen Einheit des Gebäudes und der Grunderfordernisse des parlamentarischen Betriebs kaum bzw. nur mit stark erhöhtem Zeit- und Kostenrahmen realisierbar wäre. Darum wurde die Absiedelung des gesamten Betriebs für die Dauer der Sanierung beschlossen.

 

Wo tagt das Parlament während der Sanierungsarbeiten?

Nationalrat und Bundesrat tagen während der Sanierungsphase im Großen Redoutensaal der Hofburg. Im Umfeld stehen in der Hofburg noch weitere Räume zur Verfügung, allerdings nicht in ausreichendem Maße. Deshalb wurden im Bibliothekshof der Hofburg und auf dem Heldenplatz insgesamt drei temporäre Pavillons für Büroräume und Ausschusslokale errichtet.

 

Warum übersiedelte das Parlament in die Hofburg?

Zur Suche nach einem Ausweichquartier für die Dauer der Sanierungsarbeiten wurde mit Hilfe externer ExpertInnen eine umfassende Marktanalyse erstellt. Alle angebotenen bzw. identifizierten Objekte wurden geprüft und bewertet. Entscheidende Kriterien waren Preis, Fläche, Lage und Konsequenzen für den Parlamentsbetrieb. Letztendlich erwies sich die Variante, den Plenarsitzungsbetrieb in der Hofburg (Redoutensäle) anzusiedeln, als mit Abstand am zweckmäßigsten und kostengünstigsten.

 

Warum wurden auf dem Heldenplatz und im Bibliothekshof Pavillons errichtet?

In der Hofburg stehen nur sehr begrenzt Büroräume und Flächen, die als permanente Sitzungslokale geeignet sind, zur Verfügung. Deshalb wurden dafür geeignete Räumlichkeiten in der näheren Umgebung gesucht. Neben mehreren Mietobjekten wurde auch die Möglichkeit geprüft, in unmittelbarer Nähe der Hofburg temporäre Bürogebäude zu errichten, was sich als die beste und sparsamste Lösung herausgestellt hat.

 

Warum hat man sich für diese Pavillon-Bauweise entschieden?

Die Errichtung von drei temporären Bürogebäuden wurde in einem europaweiten Verhandlungsverfahren offen für unterschiedliche Technologien ausgeschrieben. Der Auftrag wurde schließlich an die STRABAG AG vergeben, die als Totalunternehmerin fungierte. Die Pavillons basieren auf einer Holzkonstruktion und wurden in einem innovativen Baukastensystem errichtet, das von der Lukas Lang Building Technologies entwickelt wurde.

 

Was zeichnet dieses System aus?

Dank des überwiegenden Einsatzes des Baustoffs Holz überzeugt diese Technologie in ökologischer Hinsicht ebenso wie punkto Nachhaltigkeit. Im Grunde handelt es sich um drei Bürohäuser aus dem Baukasten. Vorgefertigte, standardisierte Komponenten wurden an Ort und Stelle zusammengefügt: 481 Holzsäulen, 5.476 Holzträger und etwa 6.600 Deckenelemente wurden miteinander verschraubt. Zudem wurden 8.500 m2 Doppelboden, 2.774 Laufmeter Innenwände und rund 340 Türen montiert.

 

Warum wurden die Pavillons eingehüllt?

An den Außenfassaden der Pavillons wurden zum Sicht- und Sonnenschutz Netzfolien angebracht, die als Informationsfläche genutzt werden. Es wurden Grafikdesign-Agenturen eingeladen, Gestaltungsvorschläge zu unterbreiten. Der Zuschlag ging an das Grafikdesignbüro Sägenvier in Dornbirn, deren Konzept stark auf das Wort als zentrales Element der Gesetzgebung setzt.

 

Was geschieht nach der Sanierung mit den Pavillons?

Aufgrund des Baukastensystems können die Pavillons nach der Nutzung durch das Parlament mit geringem Wertverlust abgebaut und anschließend an einem anderen Ort wiederverwendet werden. So könnten aus den drei Gebäuden rund 80 Einfamilienhäuser oder neun Kindergärten entstehen.