Zum Ersten. Zum Zweiten.

Sie waren Auflagefläche für Reformpapiere, ermöglichten ein Nickerchen und trotzten Schlägen mit der flachen Hand. Die längstdienenden Bewohner des Hohen Hauses verlassen nach 60 Jahren das Parlament: das Mobiliar – Pulte, Sessel und Sofas aus dem National- und Bundesrat werden nun online vom Dorotheum versteigert.

Wer schon immer einmal Abgeordneter sein wollte, ohne kandidiert zu haben, kann für den Startpreis von 50 Euro bei einem der Drehsessel mitbieten. Sie sind gepolstert, aufklappbar und aus Rindsleder. Ob auf dem Sessel ein Sympathieträger gesessen ist oder nicht, bleibt ein Geheimnis, denn lediglich die Pulte sind nummeriert. Wer hier seine politische Position vertreten hat, lässt sich allerdings erst bei der Abholung feststellen.

Bei der Regierungsbank ist das etwas leichter. Jedoch bleibt bis zum Kauf unklar, wie viel die zwölf Meter lange Regierungsbank wiegt und wie sie zerlegt wird.

Die Stenographentische aus dem Nationalrat werden nicht verkauft, nur jene aus dem Bundesrat. Wer den Schlüssel der absperrbaren Lade nach dem Kauf verliert, hat Pech gehabt. Es können keine Ersatzschlüssel angefertigt werden.

Und Ende September ist das Parlament dann leer. Nur einer bleibt: der stählerne Bundesadler.

„Profil“ Nr. 37/2017 vom 11.09.2017