Wer bietet mehr? 180 Abgeordnetensessel zu ersteigern

Ab Dienstag kann beim Dorotheum das Interieur des Nationalrats und des Bundesrats erworben werden

WIEN. Bei der Sanierung des Parlaments wird auf die „Gewaltenteilung“ geachtet. Während einige der Abgeordnetenstühle ins Hofmobiliendepot wandern, um für die Nachwelt erhalten zu bleiben, wird die Regierungsbank kommende Woche ohne jegliche Sentimentalität an den Bestbieter versteigert.

Am Mittwoch wurde mit der Räumung des Plenarsaals begonnen. In den nächsten drei Jahren wird das Hohe Haus saniert, der Nationalrat wird neu gestaltet, die Hofburg dient als Ersatzquartier.

Teile des Mobiliars werden ab Dienstag auf der Homepage des Dorotheums zum Kauf angeboten. Mit drei verschiedenen Farben wurde das Inventar gezeichnet: Rote Kleber für alles, was nach der Sanierung wieder verwendet wird, Blau für Stücke, die ins Museum wandern, Orange für „Auktion“.

Das Bundesdenkmalamt erachtete die Regierungsbank, von der aus sich Kanzler und Minister seit 1956 die Reden der Abgeordneten anhörten, nicht für schützenswert. Der Rufpreis wird noch festgelegt, von 200 Euro ist die Rede.

180 Abgeordnetenstühle kommen „unter den Hammer“. Sie sollen ab 50 Euro angeboten werden. Für den Käufer ist nicht ersichtlich, ob einst Bruno Kreisky oder zuletzt FP-Chef Heinz-Christian Strache auf dem Drehsessel Platz genommen haben. Man will vermeiden, dass die Auktion ein Politikum wird, weshalb die Stühle anonymisiert zum Kauf angeboten werden.

Schmuckstücke sind nicht darunter: Die Pulte und Sessel sind abgenutzt, zum Teil wurden Klebebänder verwendet, um zu verhindern, dass der Schaumstoff herausquillt. Verkauft wird auch die Einrichtung des Bundesratsaals, sie stammt wenig dekorativ aus dem Jahr 1997.

Bundesrat übersiedelt

Die Länderkammer wird auf eigenen Wunsch in den prunkvollen Budgetsitzungssaal übersiedeln. Für die Untersuchungsausschüsse wird unter dem Plenarsaal ein Raum errichtet. Leer zeigt das Haus seine Pracht: Kastendecken im alten Kaiserzimmer, Sternparkett, versteckte Wendeltreppen.

Sie habe ein lachendes und ein weinendes Auge, sagte Parlamentsarchitektin Andrea Schenk. Sie freue sich, dass das Haus wieder viel schöner werde, aber der Totalumbau des Plenarsaals „ist der Abschied von einer wunderbaren Architektur des Wiederaufbaus“.

„Oberösterreichische Nachrichten“ vom 31.08.2017

Annette Gantner