Parlamentsumbau zeitlich und finanziell im Plan

Im Dachgeschoß entsteht eine Besucherzone mit Gastronomie.

Wien. Auf dem Weg zum Umbau des Parlaments ist eine weitere Etappe erreicht worden: Der Entwurf zur Sanierung des Gebäudes ist genehmigt, berichtete Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) in einer Pressekonferenz am Montag im Dachgeschoß des Hohen Hauses.

In den vergangenen Monaten wurde der Entwurf des Generalplaners weiterentwickelt und vertieft, dieser habe nun alle Prüfinstanzen durchlaufen und konnte freigegeben werden. Vertieft wurde auch die Kostenermittlung und dabei zeigte sich, dass sich das Projekt weiterhin im Budgetplan befindet. Die Kostenobergrenze für die Sanierung wurde 2014 mit einstimmigem Gesetzesbeschluss mit 352,2 Millionen Euro festgelegt. Die Schwankungsbreite betrage derzeit +/-10 Prozent und sei durch Reserven abgedeckt, heißt es in der Unterlage.

Bei der Sanierung des 130 Jahre alten Hauses am Ring gehe es aber nicht nur darum, es für die nächsten Generationen zu erhalten, sondern auch darum, die Arbeitsbedingungen für die Abgeordneten und Mitarbeiter auf die Höhe der Zeit zu bringen, so Bures. Die Barrierefreiheit sei ebenfalls ein großes Thema. Auch wenn es keine Aufstockung oder keinen Anbau geben soll, werde das Parlament „größer“, denn rund 4500 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche werden geschaffen. Der Bundesrat wird künftig im Budgetsaal, wo derzeit der Hypo-U-Ausschuss stattfindet, tagen. Aus dem Bundesratssitzungssaal wird ein Ausschusslokal.

„Dem Ausbau des Dachgeschoßes kommt eine besondere Bedeutung zu“, erklärte Architekt Andras Palffy. So werden etwa der Dachstuhl und die Zwischendecke über dem Nationalratssitzungssaal entfernt, stattdessen wird ein Glasdach eingezogen. Dadurch entstehe ein Gästepanorama, in dem Besucher Sitzungen im Plenarsaal beobachten können. Über dem Mitteltrakt des Gebäudes entsteht ein neuer Gastro-Bereich, und auf der neuen Dachlandschaft sind vier Terrassen mit einer Gesamtfläche von rund 400 Quadratmetern geplant.

Übersiedlung in provisorische Räume im Sommer 2017

Eine große Herausforderung sei außerdem die Übersiedlung von 700 Arbeitsplätzen in die Hofburg beziehungsweise in drei temporäre Pavillons auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof der Hofburg. Die Übersiedlung ist für die tagungsfreie Zeit im Sommer 2017 vorgesehen. Auch dort sei die Sicherheit gewährleistet. Bures zeigte sich über das ökologische Baukastensystem erfreut, weil nach drei Jahren eine Nachnutzung geplant ist. „So könnten aus den drei Pavillons beispielsweise neun Kindergärten oder 80 Einfamilienhäuser entstehen“, meinte die Präsidentin.

”Wiener Zeitung” Nr. 114 vom 14.06.2016