Parlamentssanierung – Ausweichquartiere und Absiedelung im Zeitplan

Büropavillons übergeben – Plenarsaal wird in Modulen angeliefert und zusammengefügt
 

Wien (APA) – Vor der im August beginnenden Generalsanierung des Parlamentsgebäudes sind die Arbeiten für die Absiedelung und die Errichtung der Ausweichquartiere im Plan. „Wir sind in sämtlichen Bereichen im Zeitplan“, berichtete Parlamentsvizedirektor und Projektleiter Alexis Wintoniak am Mittwoch in einer Aussendung.

 

Die drei temporären Büropavillons auf dem Heldenplatz und im Bibliothekshof der Hofburg wurden dieser Tage termingerecht von den ausführenden Firmen übergeben. Jetzt folgen die parlamentsspezifischen Einbauten, etwa die IT-Installation oder die Sicherheitseinrichtungen.

Demnächst erhalten die 30 mal 40 Meter großen Fachwerkbauten aus Holz und Stahl auch eine attraktive Hülle. An den Fassaden werden Netzfolien montiert, die zum Sicht- und Sonnenschutz dienen, aber auch eine dekorative Funktion haben. Das Konzept sieht vor, dass sich Zitate aus verschiedenen Verfassungs- und Gesetzestexten wie Perlenschnüre rund um die Gebäude winden. Einzelne markante Begriffe daraus werden in den EU-Amtssprachen als grafische Interpunktionen eingesetzt.

 

In den Redoutensälen der Hofburg wird zurzeit gesägt und gehämmert, gestemmt und gebohrt. In den prunkvollen Räumen, in denen üblicherweise Kongresse oder Bälle stattfinden, übersiedelt der Plenarsaal des Nationalrates. Der Plenarsaal wurde in einer Halle in Schwechat aufgebaut und in der Folge in Einzelteile zerlegt. Diese werden nun nach Wien transportiert und in die Hofburg eingebracht. Dank der Vorproduktion und der modularen Bauweise ist gewährleistet, dass in nur drei Monaten derart komplexe Einbauten in einen sensiblen Bestand erfolgen können.

Die Besucher-Galerie ist weit schon weit gediehen. Als nächstes folgen das Podest für das Plenum sowie die Ausstattung – Abgeordnetentische, Regierungsbank, Präsidium, Stoffpaneele für die Saalakustik. Im kleinen Redoutensaal sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Hier wurden Besprechungskojen für die Fraktionen eingebaut. Alles in allem werden für die Einbauten rund 4.300 Quadratmeter Brandschutzplatten, mehr als 50 Kubikmeter Holz, 30 Tonnen Stahl sowie rund 7.500 Stück Schrauben, Gewindestangen und Winkelverbindungen verarbeitet.

Die technische Ausstattung beginnt nach den letzten Plenarsitzungen von Nationalrat und Bundesrat Ende Juni, Anfang Juli. Dann können Tonanlage, Kameras und sonstiges Equipment im Parlamentsgebäude abgebaut werden.

Der Projektverantwortliche Robert Neunteufel von der Burghauptmannschaft beschreibt die Herausforderung: „In sehr kurzer Zeit müssen wir in ein historisches, unter Denkmalschutz stehendes Gebäude einen voll funktionsfähigen Sitzungssaal einbauen. Alleine die Einbringung der zum Teil mehrere hundert Kilo schweren Elemente in den Redoutensaal war ein logistischer Kraftakt.“ Mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten ist Neunteufel sehr zufrieden. Alles laufe nach einem exakt durchkomponierten Regieplan ab, denn die Zeit sei denkbar knapp. Aus Rücksicht auf die Ballsaison konnte erst Ende Februar mit den Arbeiten begonnen werden, im Juni müssen sie abgeschlossen sein.

 

Ende Juni startet die Übersiedlung, die in neun Tranchen erfolgen wird und Mitte August abgeschlossen sein muss. Auch dazu laufen die Vorbereitungen seit langem. So wurde in einem groß angelegten Digitalisierungsprozess das vorhandene Papiervolumen drastisch reduziert, sodass nur etwa ein Zehntel übersiedelt werden muss.

 

(Schluss) mk/spu
APA0242 2017-04-26/12:22
261222 Apr 17