”Jahrhundertprojekt”, nächste Etappe

Parlamentssanierung. Für den Entwurf zum Umbau des Hohen Hauses ab dem Sommer 2017 gibt es grünes Licht. Das Holz für die Ausweichpavillons auf dem Heldenplatz wird nachhaltig genützt.

Wien. Statt dem Präsidentensessel im Plenum war es das baustellenartige Dachgeschoß im Hohen Haus: Nationalratspräsidentin Doris Bures informierte am Montag über die Fortschritte bei dem ab Mitte 2017 beschlossenen “Jahrhundertprojekt”, der Generalsanierung des Theophil-Hansen-Baus an der Ringstraße. Es war trotz der Baufälligkeit des Parlamentsgebäudes ein Auftritt ohne Schutzhelm, wie ihn die SPÖ-Politikerin des Öfteren während ihrer Zeit als Verkehrsministerin bei Bahnprojekten getragen hat. “Schutzhelm brauchen wir nicht auf dieser Baustelle”, scherzte sie.

Anlass für die Pressekonferenz der Nationalratspräsidentin mit Parlamentsvizedirektor Projektleiter Alexis Wintoniak und Generalplaner Architekt Andras Palffy war die Freigabe des Entwurfes für die Sanierung. Was wird gemacht?

* Glaskuppel: Über dem Nationalratssitzungssaal wird ein Glasdach statt Dachstuhl und Zwischendecke eingezogen. Ähnlich dem deutschen Bundestag können Besucher dann von einem Rundumgang das Geschehen bei Sitzungen im Plenarsaal verfolgen. Daneben entstehen unter dem Dachstuhl neue Büroflächen, zwei Konferenzräume und eine für Besucher zugängliche Cafeteria. Nach dem Umbau werden zusätzlich 4500 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen.

* Holzpavillons auf dem Heldenplatz: Die Übersiedlung ins Ausweichquartier erfolgt ab dem Sommer 2017. Die Nationalrats- und Bundesratssitzungen werden in der Hofburg abgehalten. Um genügend Platz für Parlamentsbedienstete und Klubs zu haben, werden zwei Pavillons aus Holz auf dem Heldenplatz aufgestellt, ein weiterer für Sitzungslokale und Büros im Bibliothekshof der Hofburg. Den Zuschlag als Generalunternehmer erhielt nach europaweiter Ausschreibung die Strabag. Die drei- bis viergeschoßigen Pavillons werden vom Oktober dieses Jahres bis April 2017 errichtet. Auf eine ökologische Nachnutzung wurde Wert gelegt. Das Holz soll nach der dreijährigen Übergangsphase der Parlamentarier im Ausweichquartier weiter verwendet werden. Nach Berechnungen könnten mit dem Holz zum Beispiel neun Kindergärten oder etwa 80 Einfamilienhäuser errichtet werden.

* Abstimmungen elektronisch? Noch nicht geklärt ist, wie und ob es künftige Einrichtungen für elektronische Abstimmungen geben wird. Bisher stimmen Abgeordnete in den meisten Fällen durch Aufstehen zu. Fix ist hingegen, dass der Bundesrat nach der Rückkehr im Budgetsaal des generalüberholten Gebäudes tagen wird, wo derzeit der parlamentarische Hypo-Untersuchungsausschuss läuft.

* Zeit- und Kostenplan. Präsidentin Bures hat versichert, dass das Projekt derzeit sowohl im Zeitplan liegt als auch der Budgetrahmen eingehalten wurde. Einstimmig war im Juli 2014 per Gesetz eine Obergrenze von 352,2 Millionen mit einem Spielraum von zehn Prozent beschlossen worden. (ett)

”Die Presse” vom 14.06.2016