Hohes Haus – Probesitzen: Nationalrat tagt in der Hofburg

Pawlicki Patricia (ORF): Ja, die Übersiedlung des Parlaments ist fertig. Ab jetzt tagt der Nationalrat in der Hofburg. Dort, und zwar im Redoutensaal, hat es diese Woche ein sogenanntes Probesitzen gegeben, alles ist dabei gutgegangen. Im renovierungsbedürftigen Parlamentsgebäude selbst geht die Demontage der Sitzungssäle von Nationalrat und Bundesrat voran. Viele Möbel sind bei einer Online-Auktion des Dorotheum zu ersteigern – und zwar bis 19. September kann jeder, der sich registriert, auch dort mitbieten. Claus Bruckmann berichtet für uns.

Bruckmann Claus (ORF): Die letzte Stunde des Nationalratssitzungssaals hat geschlagen. Alles muss raus: Sessel, Tische, Bänke und auch das Rednerpult werden abmontiert und weggeführt. Mehr als 60 Jahre lang waren diese Möbel das Symbol für Parlamentarismus in Österreich. Auch das Büro der Präsidentin ist  eitgehend geräumt sowie alle prächtig ausgestatteten Zimmer an der Seite zur Ringstraße. Auch dem Sitzungssaal des Bundesrats geht es an den Kragen. Auch hier werden alle Einbauten entfernt, nicht immer sanft. Unter den Hammer kommen 314 ausgewählte Möbelstücke. Jedermann kann in einer Online-Auktion des Dorotheums mitbieten. Der Rufpreis für einen Drehsessel aus dem Nationalratssitzungssaal liegt bei 50 Euro. Die Auktion geht bis 19. September. Die meisten Möbel aber werden in einem Depot zwischengelagert und dann im renovierten Parlamentsgebäude wiederverwendet werden. Das Dach des Nationalratssitzungssaales wird für die konkreten Baumaßnahmen geöffnet werden. Über diese Öffnung wird die Zulieferung für alle schweren Rohbaumaßnahmen erfolgen und auch der Abtransport von Bauschutt. Blutet so manchem Parlamentsmitarbeiter bei diesen Bildern nicht das Herz?

Wintoniak Alexis (Parlamentsdirektion): Nicht wirklich, weil wie Sie hier sehen, haben wir einen sehr tollen Saal als Interimslokation für den Nationalrat und außerdem ein tolles Projekt für einen neuen sanierten Sitzungssaal im historischen Parlamentsgebäude.

Bruckmann Claus (ORF): Was war denn die größte Herausforderung hier beim Einbau in den  Redoutensaal?

Wintoniak Alexis (Parlamentsdirektion): Na ja, natürlich die historische Substanz, die zu wahren ist, und außerdem innerhalb von kurzer Zeit, nämlich innerhalb einiger weniger Wochen einen ganzen Nationalratssitzungssaal hier einzubringen und einzubauen.

Bruckmann Claus (ORF): Eine Probesitzung diese Woche ist gut über die Bühne gegangen. Simuliert wurden eine normale Plenarsitzung des Nationalrats, eine Fragestunde und eine Aktuelle Stunde. In der Monarchie haben im großen Redoutensaal viele Bälle stattgefunden, als Höhepunkte des Faschings der Ball bei Hof und der Hofball. Der Saal ist mit 680 Quadratmetern deutlich größer als der alte Saal. Eingebaut ist eine Galerie, auf der künftig der Bundespräsident, die Presse und Besucher Platz finden. Besonders auffällig ist die geteilte Regierungsbank mit dem Rednerpult in der Mitte – diese Anordnung wird auch im renovierten Plenarsaal so beibehalten werden. Auch ist der Saal weitgehend barrierefrei gestaltet. Die Abgeordneten haben an ihren Pulten nun mehr Platz, eine große Lade für parlamentarische Materialien, wie zum Beispiel die Abstimmungskärtchen. Die Plenarsitzungen des Bundesrats werden ebenfalls in diesem Saal abgehalten werden. Dafür wird der Saal durch Rollos optisch verkleinert, denn es gibt nur 61 Bundesräte gegenüber 183 Nationalratsabgeordneten. Nationalrat oder Bundesrat, für die Fernsehübertragungen ist alles vorbereitet. Und auch ein Feueralarm wurde getestet. Die Sirenen heulten und der Saal war in der vorgeschriebenen Zeit geräumt. Kommende Woche beginnt hier mit den ersten Ausschusssitzungen der reguläre parlamentarische Betrieb. Dann heißt es endgültig: Vorhang auf!

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Hohes Haus vom 10.09.2017 12.00 Uhr