Das Geheimnis der 21 Stühle im Parlament

Doris Bures musste aufklären, was aus alter Möbelage wurde. Das Rätsel um das Verschwinden von Kulturgütern aus der Parlamentsdirektion ist gelöst. Die SPÖ wollte mit einer parlamentarischen Anfrage wissen, was mit 28 entsorgten Gegenständen passiert ist und warum es dafür keinen Cent Verkaufserlös gibt.

Um die Tragweite einschätzen zu können, muss man zuerst wissen, was überhaupt als Kulturgut gilt. Nach dem Denkmalschutzgesetzhandelt es sich um „von Menschen geschaffene unbewegliche und bewegliche Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung“. Also zum Beispiel die 2003 aus dem Kunsthistorischen Museum gestohlene und 2006 wieder aufgetauchte Saliera oder der in der Schatzkammer aufbewahrte Säbel Karls des Großen. Es können aber auch „Gegenstände des Alltags“ Kulturgüter sein. An einen solchen …, pardon, Krempel wie Beistelltische oder wackelige Holzstühle hat der Gesetzgeber beim Denkmalschutzwahrscheinlich nicht gedacht. Die Parlamentsmöbelage stellt freilich eine Ausnahme dar. Erst wenn unter Kontrolle von zwei Bediensteten die völlige Unbrauchbarkeit bescheinigt wird, dürfen die Kulturgüter vernichtet werden.

Für vier Beistelltische, 21 Holzstühle und einen Garderobekasten schlug vor Beginn der dringenden Sanierung des Parlaments das Stündlein. Der Karikaturist Bruno Haberzettl hatte das Szenario „Parlament stürzt ein“ längst illustrativ heraufbeschworen. Das ebenfalls zur Entsorgung freigegebene Kulturgut war nicht veräußerbar, weil das Werk eine irreparable Beschädigung aufwies.

Model Hansen Einer der Sessel war übrigens fälschlicherweise den Kulturgütern zugeordnet worden. Dabei handelt es sich immerhin um ein Model Hansen (dänischer Sitzmöbel-Designer) . Parlamentspräsidentin Doris Bures teilte mit, dass dieser Stuhl ins „normale Inventar“ aufgenommen wurde.

„Kurier“ vom 17.08.2017