Präsidenten ziehen hinter die Hofburg

Parlament. Großer Umzug wegen Sanierung. Der KURIER schaute hinter die Kulissen.

„Ned auf den Fernseher steigen, Vorsicht!“, sagt der zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP), der sich im Slalom durchs Büro bewegt. Am Freitag wurden seine Habseligkeiten und der Flachbildfernseher, der gerade am Boden liegt, verpackt und in sein neues Büro gebracht.

Es ist nur etwa halb so groß wie jenes im Parlament, hat keinen prächtigen Stuck an der Decke, und statt auf poliertem Parkett wandelt man auf schallschluckendem Teppichboden. Für die nächsten drei Jahre, in denen das Hohe Haus saniert wird, residieren die drei Präsidenten in einem Pavillon hinter der Hofburg. Die Klubs von SPÖ und ÖVP sind bereits vergangene Woche in zwei separate Quartiere am Heldenplatz eingezogen.

Am meisten werde er die Säulenhalle vermissen, sagt Kopf: „Wenn ich da durchgehe, habe ich das Gefühl von etwas Imposantem, es hat fast etwas Sakrales.“

Wehmütiger Abschied Etwas Wehmut schwingt an diesem Freitagnachmittag bei allen drei Nationalratspräsidenten und ihren Mitarbeitern, die dieses Wochenende übersiedeln, mit. In den langen Gängen ist es – bis auf die grün gekleideten Möbelpacker – menschenleer geworden, auch die meisten Büros sind verwaist. Bei SPÖ-Klubchef Andreas Schieder ist nur ein einsames Telefon am Boden übrig geblieben. „Ein komisches Gefühl“, sagt er angesichts der leeren Räume.

In seinem neuen Büro ist schon eine persönliche Note sichtbar. Da stehen ein Automat mit Mannerwaffeln, eine chinesische Zuckerldose; und um „im Training zu bleiben“, wie er sagt, drischt Schieder auf einen alten „Watschenmann“ vom Wiener Prater ein. Von seinem Schreibtisch aus hat der SPÖ-Klubchef die Hofburg und die Nationalbibliothek im Blick. „Das ist das Herz Österreichs, da ist die ganze Geschichte unseres Landes gestaltet worden. Schon beeindruckend“, sagt Schieder.

Weniger spannend ist der Ausblick, den der dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) von seinem Büro im kleinen Bibliothekshof hinter der Hofburg hat. Aber: „Es ist hell, es ist funktionell. Und es hat eine Klimaanlage“, meint er zufrieden. Am Montag ist das Büro eingeräumt und bereit für die neue Arbeitswoche. Bis 15. August muss der Umzug abgewickelt sein, dann wird das Hohe Haus bis 2020 zur Großbaustelle.

„Kurier“ vom 15.07.2017