Wenn Parlament und Hofburg zusammenrücken

Im Sommer 2017 übersiedelt das Parlament: Drei Holzpavillons in Hofburg-Nähe sollen die Mitarbeiter des Hohen Hauses während der dreijährigen Sanierung beherbergen. Der Entwurf wurde nun genehmigt.

Wien – Der Aufzug ins Dachgeschoß des Parlamentsgebäudes ruckelt beängstigend. Er ist zwar noch keine 130 Jahre alt wie das Hohe Haus am Ring selbst, aber auch der Lift zeigt die Dringlichkeit der Sanierung des Theophil-Hansen-Baus.

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) kann zwar noch nicht den Start der Bauphase bekanntgeben, doch der Entwurf zur Sanierung sei genehmigt, sagt sie am Montag vor Journalisten und betont, dass das Projekt sowohl im Zeit- als auch im Kostenplan liege – keine Selbstverständlichkeit bei Bauvorhaben dieser Größenordnung. Die Kostenobergrenze wurde 2014 mit 352,2 Millionen Euro festgelegt – einstimmig. Reserven von etwa zehn Prozent mussten bisher nicht angetastet werden. 2020 soll der Umbau fertig sein.

Sitzungssaal erhält Glasdach

Das Dachgeschoß soll ein Schwerpunkt des Projekts werden: Ein Glasdach wird über dem Sitzungssaal eingezogen. Dadurch entstehe ein Gästepanorama, von dem aus Besucher die Nationalratssitzungen beobachten können, erklärt der ausführende Architekt András Palffy: „Damit wird das Gebäude selbst zum Exponat.“ Vier Terrassen sind auf der letzten Ebene geplant, auch der Gastrobereich soll unter das Dach übersiedeln. Mit dem Bundesdenkmalamt stehe man im ständigen Kontakt, jeder Planungsschritt werde abgestimmt, das äußere Erscheinungsbild werde sich kaum verändern.

Durch Ausbau und Nutzung des Dachgeschoßes werden 4500 Quadratmeter Nutzfläche gewonnen. Damit werden Büros und Räume neu verteilt, Genaueres steht noch nicht fest, nur: Der Bundesrat soll künftig im Budgetsaal tagen, wo zuletzt auch das Rechnungshofpräsidenten-Hearing stattfand.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zunächst müssen Nationalrat, Bundesrat und die 700 Mitarbeiter übersiedeln. Für drei Jahre werden temporäre Pavillons auf der anderen Seite des Rings aufgestellt. Zwei sollen auf dem Heldenplatz errichtet werden, einer im Bibliothekshof der Hofburg. Die Holzpavillons entsprechen dem Prinzip eines ökologischen Baukastensystems. Wenn das Parlament wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückkehrt, soll eine Nachnutzung möglich sein. „Es können daraus neun Kindergärten oder 80 Einfamilienhäuser entstehen“, sagt Bures.

Laut Projektleiter Alexis Wintoniak soll die Übergabe im April kommenden Jahres stattfinden, im darauffolgenden Sommer soll in der tagungsfreien Zeit die Übersiedlung über die Bühne gehen.

Zwischen der Gegenwart und dem geplanten Wiedereinzug liegt zumindest eine Nationalratswahl. Daher will sich Bures nicht darauf festlegen, wo sich ihr Büro im sanierten Parlament befinden wird. Ganz ohne angemietete Zusatzräume wird das Hohe Haus auch künftig nicht auskommen, das Palais Epstein etwa soll auch weiterhin zur Verfügung stehen.

”Der Standard” vom 14.06.2016